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9 Tipps, wie Lernen lernen wirklich gelingt!

„Nicht für die Schule, für das Leben lernen wir.“ Das wusste schon der römische Philosoph Seneca. Die logische Konsequenz aus dieser Erkenntnis: Lebenslanges Lernen. Wir zeigen Ihnen, wie Sie lerntechnisch erfolgreich am Ball bleiben.

App-Entwickler, Datenwissenschaftler, Experten für Künstliche Intelligenz: Die Digitalisierung schafft schon jetzt eine Vielzahl neuer Berufsbilder. Laut Schätzungen des Weltwirtschaftsforums werden 65 Prozent der Kinder, die heute die Grundschule besuchen, einmal in Berufen landen, die es derzeit noch gar nicht gibt. Dagegen werden z.B. traditionelle Handwerksberufe zunehmend von der Bildfläche verschwinden.

Wer in der Berufswelt von morgen Fuß fassen will, muss also flexibel und aufgeschlossen für Neues sein. Fest steht: In einer Zeit, in der Arbeitnehmer sich ständig mit wechselnden Rahmenbedingungen und Anforderungen auseinandersetzen müssen, kommt es vor allem darauf an, zu lernen. Und zwar nicht nur in Studium und Ausbildung. Sondern am besten lebenslang. Institutionelle und betriebliche Fort- und Weiterbildungen, E-Learnings, Webinare, Coachings, Schulungen oder Zertifizierungen bieten dazu eine Vielzahl von Möglichkeiten.

Trotzdem macht gerade einmal jeder Zweite davon Gebrauch. Manche scheuen den Aufwand, andere fürchten, am Lernstoff zu scheitern. Kein Wunder, schließlich ist es bei vielen Arbeitnehmern schon einige Jahre her, dass sie das letzte Mal die Schulbank gedrückt haben. Und so mancher hat sich mit dem Lernen schon damals schwergetan. Umso wichtiger ist es, den gezielten (intentionalen) oder beiläufigen (impliziten) Erwerb neuer Fähigkeiten wieder oder neu zu lernen. Denn mit der richtigen Lernstrategie steht einem erfolgreichen Lernen auch im Erwachsenenalter nichts im Wege. Folgende Punkte sollten Sie dabei beachten:

  1. Zeitplan festlegen
    Unstrukturiertes und unorganisiertes Lernen führt selten zum Erfolg. Stattdessen sollten Sie feste Lernzeiten für sich definieren. Dabei gilt: Lieber jeden Tag eine Stunde lernen, als das ganze Wochenende durchzubüffeln. Tipp: Ein Organizer hilft, Aufgaben zu priorisieren und gezielt abzuarbeiten.
  2. Etappenziele definieren
    Etappenziele sorgen dafür, dass die Lernmotivation im Laufe der Zeit nicht nachlässt. Legen Sie deshalb schon von Beginn an unterschiedliche Teilziele fest – und belohnen Sie sich, wenn eins davon erreicht ist. Der Vorteil: Sie halten sowohl das bereits Erreichte als auch den noch vor Ihnen liegenden Weg ganz einfach im Blick.
  3. Persönlichen Lernstil ermitteln
    Während der eine sein Wissen durch den Konsum von Fachbüchern erweitert, lernt der andere besser durch Zuhören, Zuschauen oder Ausprobieren. Finden Sie heraus, ob Sie ein visueller, auditiver, motorischer oder kommunikativer Lerntyp sind. So können Sie anschließend die besten Lerntechniken für sich zusammenstellen.
  4. Geeignete Werkzeuge nutzen
    Um den Lehrstoff zu verinnerlichen, gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Methoden: Vom klassischen Karteikarten-System, über Notizen, Mindmaps und Lernposter bis hin zu praktischen Versuchen und Lerngruppen helfen, Zahlen, Daten und Fakten dauerhaft im Gehirn zu verankern.
  5. Mit allen Sinnen lernen
    Je mehr Sinneskanäle am Lernprozess beteiligt sind, desto besser wird Gelerntes verinnerlicht. Wer beim Lernen nur zuhört, behält 20 Prozent des Lehrstoffs, wer Auge und Ohr einsetzt, dem bleiben schon 50 Prozent im Gedächtnis. Am besten, Sie bündeln visuelle, auditive, motorische und kommunikative Werkzeuge. Denn dann steigt die Erinnerungsquote sogar auf bis zu 90 Prozent.
  6. Lern(frei)räume schaffen
    Mal eben in der TV-Werbepause eine kurze Lerneinheit auf dem Sofa einschieben? Vergessen Sie es! Lernen erfordert Konzentration. Voraussetzung dafür: Eine ruhige Atmosphäre, ein fester Lernort und regelmäßige Pausen, in denen das Gehirn die erarbeiten Informationen verarbeiten kann.
  7. Erfahrungshorizont einbringen
    Kinder lernen in der Regel schneller, Erwachsene profitieren dagegen durch einen im Laufe der Jahre erworbenen Wissensschatz. Nutzen Sie diese sogenannte „kristalline Intelligenz“ und verknüpfen den Lehrstoff mit Ihren persönlichen Erfahrungen und Erkenntnissen. Das verbessert Ihren Lernerfolg.
  8. In Bewegung bleiben
    Bewegung aktiviert die motorischen Zentren Ihres Gehirns, die an der Verarbeitung und Speicherung von Informationen maßgeblich beteiligt sind. Anders gesagt: Inhalte lassen sich leichter verinnerlichen, wenn Sie sich beim Lernen bewegen. Stehen Sie beim Lernen deshalb immer mal wieder auf und gehen ein paar Schritte.
  9. Üben, üben, üben
    Übung macht den Meister: Regelmäßiges Training ermöglicht, dass sich Gelerntes dauerhaft im Gehirn verankert. Ruhen Sie sich deshalb niemals auf Ihren Lorbeeren aus, sondern wiederholen Sie auch Wissen, das Sie bereits beherrschen.

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Zusammenarbeit von Mensch und Künstlicher Intelligenz

Wie Mensch und Künstliche Intelligenz in Zukunft Hand in Hand arbeiten

Künstliche Intelligenz und Digitalisierung produzieren täglich neue Schlagzeilen. Der Tenor der Berichterstattung schwankt zwischen Bewunderung und Mahnung. Wie können Menschen und Maschinen in Zukunft zusammenarbeiten? Oder werden sie gar nicht zusammenarbeiten, weil Maschinen die Arbeit übernehmen?

Das Bild von künstlicher Intelligenz ist in weiten Teilen der Bevölkerung von Boulevard und Filmindustrie geprägt. Besiegen lernende Maschinen die menschlichen Großmeister in Schach oder Go, macht sich mediale Genugtuung breit. Künstliche Intelligenz repräsentiert den Gipfel menschlichen Ideenreichtums. In den Filmen der Matrix- und Terminator-Reihen haben Maschinen hingegen längst die Kontrolle über eine versklavte Menschheit übernommen. Die Stimmung oszilliert zwischen Angst und Bewunderung. So wählte das Handelsblatt in einem Kommentar auch den kleinsten gemeinsamen Nenner, in dem KI als Fluch und Segen bezeichnet wurde.[1]

KI ist gekommen, um zu bleiben

Hochgradig spezialisierte Systeme, die auf maschinellem Lernen, Mustererkennung oder auch Robotik beruhen, erobern immer größere Aufgabenfelder. KI-Systeme werden in der Versicherungswirtschaft zum Aufdecken von Betrugsfällen oder zur Schadensabwicklung eingesetzt, sie optimieren im Handel Fahrtrouten und Warendispositionen und personalisieren im Marketing die Ansprache der Konsumenten oder schaffen individuelle dynamische Preise. Selbst in hochgradig spezialisierten Bereichen schicken sich KI-Systeme an, die Aufgaben von Menschen zu übernehmen. Selbstständig lernende Systeme stellen im Controlling Prognosen auf und werten Kennzahlen aus.

Und die Erfahrungen der ersten Unternehmen, die auf KI setzen, sind beeindruckend positiv. Im vergangenen Jahr sorgte der Versicherer Zurich für Aufsehen, als das Unternehmen vermeldete, im Bereich der Schadensabwicklung Fälle durch den Einsatz von KI binnen Sekunden bearbeitet zu haben, für die ein Mensch mehr als 50 Minuten benötigt hat. Kein Zweifel, künstliche Intelligenz wird die Arbeitswelt in der nächsten Zukunft prägen.

KI schafft mehr Umsätze und neue Jobs

Das klingt nach Jobkillern und der Vernichtung von Existenzen. Die Studie „Reworking the Revolution“ von Accenture kommt zu einem anderen Ergebnis. Ohne Zweifel werden KI-Systeme Aufgaben der Menschen übernehmen. Chatbots werden beispielsweise mit Kunden direkt per Telefon kommunizieren, ohne dass der Mensch etwas davon bemerkt, dass er mit einem Computer spricht. Doch unterm Strich gehen die Studienautoren davon aus, dass in Unternehmen, die auf KI setzen, bis zum Jahr 2022 die Umsätze um bis zu 38 Prozent steigen könnten und netto sogar mehr Arbeitsplätze geschaffen werden.

Doch die Aufgaben der Mitarbeiter werden sich ändern. Überrascht hat Accenture festgestellt, dass bisher nur wenige Unternehmen erkannt haben, dass die Veränderung der Arbeitswelt, andere Qualifikationen ihrer Mitarbeiter erfordert.

Die neue Arbeitswelt erfordert neue Kompetenzen

KI-Systeme sind IT-Systeme. Kompetenzen mit komplexen technischen Systemen und dem Computer werden ihre jetzt schon große Bedeutung ohne Zweifel behalten. Aber IT-Kenntnisse allein werden in der Arbeitswelt der Zukunft nicht ausreichen, damit Mitarbeiter fest im Sattel sitzen. Die Übernahme von komplexeren Aufgabenstellungen durch die Maschinen ermöglichen neue Formen der Zusammenarbeit. In der Industrie werden die Beschäftigten wahrscheinlich nicht mehr für eine bestimmte Maschine oder einen Fertigungsschritt verantwortlich sein. Wenn Maschinen Werkstücke einander übergeben und die Produktion eines anderen Stücks mit wenigen Mausklicks gestartet werden kann, kommt den Mitarbeitern eine neue Rolle zu. Sie müssen Abläufe im Blick behalten, vielleicht sogar mit Zulieferern oder Kunden direkt kommunizieren. Dazu müssen sie aber auch die notwendigen Kompetenzen erhalten.

Digitalisierung und die Einführung von KI in Unternehmen können nur gelingen, wenn die Mitarbeiter von Anfang an beteiligt sind und nicht zu Betroffenen werden. Die Einbeziehung macht es aber notwendig, dass die Beschäftigten den Nutzen der Technologien erkennen. Ohne Kenntnisse über das eigene Unternehmen, aktuelle Entwicklungen der Branche insgesamt und ein Verständnis dafür, was das eigentliche Geschäftsmodell des Arbeitgebers ist, geht es nicht.

Den Spaß am Lernen fördern

Mag der eine oder andere Arbeitgeber in der Vergangenheit die Forderung nach dem „lebenslangen Lernen“ nur als Phrase gesehen und entsprechend zurückhaltend in die Weiterbildung investiert haben, wird die Forderung dringender denn je. Denn KI-Systeme ändern sich in einer rasenden Geschwindigkeit. Deswegen müssen Unternehmen eine Atmosphäre schaffen, die das Lernen und den Spaß an der Fortbildung fördert.

Soweit heute bereits zu erkennen ist, fördern KI-Systeme interdisziplinäres Arbeiten und entsprechende Organisationsformen. Der Mitarbeiter der Zukunft muss sich also auf wechselnde Situationen und andere Menschen einstellen können. Solche sozialen Kompetenzen werden genauso notwendig sind, wie Anreize für mehr Kreativität zu schaffen. Denn vielfach werden KI-Systeme zwar Daten aggregieren, aber die notwendigen Schlussfolgerungen, die Überprüfung auf valide Hypothesen obliegen weiterhin der menschlichen Intelligenz.

Deswegen werden die Unternehmen den größten Nutzen aus KI ziehen, denen es gelingt, die Vorteile der elektronischen Systeme mit den Fähigkeiten der Menschen am besten zu vereinen. Und das gelingt nur mit solider Weiterbildung und einem aktiven Management der Kompetenzen in einem Unternehmen.

Schauen Sie auch das Interview in der TÜV Rheinland-Serie „Futurework“ mit dem Forscher und Projektleiter beim Deutschen Forschungsinstitut für künstliche Intelligenz (DKFI), Mohammed Mehdi Moniri.

[1] https://www.handelsblatt.com/meinung/kommentare/kommentar-kuenstliche-intelligenz-ist-gleichzeitig-fluch-und-segen/21006486.html?ticket=ST-372739-bwhjlDya4cJUNj71Btba-ap3

Kompetenzmanagement in Zeiten digitaler Transformation

Aktives Kompetenzmanagement: Türöffner für eine erfolgreiche Zukunft

Die Digitale Transformation stellt neue und andere Anforderungen an die Mitarbeiter als bisher. Wie können Unternehmen dieser Herausforderung begegnen? Wirksames Kompetenzmanagement ist ein wichtiges Instrument, das viele Unternehmen noch sträflich vernachlässigen.

Ob erste industrielle Revolution oder digitaler Wandel: Gut ausgebildete Mitarbeiter und Führungskräfte waren für Unternehmen immer schon unerlässlich. Was sich mit der vierten industriellen Revolution geändert hat, ist die Tatsache, dass nahezu jede Branche derzeit gravierende Umwälzungen in einer nie gekannten Dynamik erfährt. Künstliche Intelligenz und Information-Retrieval-Systeme stellen Informationen binnen Sekunden zur Verfügung, analysieren Sachverhalte und erstellen schneller als jeder Mensch Prognosen.

Die Wissensgesellschaft beinhaltet einen Wechsel der Paradigmen. Reines Fach- und Methodenwissen reichen nicht mehr aus, um die Herausforderungen in der Zukunft zu bewältigen. Fast wichtiger ist, was Mitarbeiter aus ihren Fähigkeiten machen, wie sie Problemstellungen in der Praxis angehen. Vor allem in komplexen Situationen, in denen die bekannten Regeln, die alten Kenntnisse und Fertigkeiten nicht mehr zur Problembewältigung ausreichen, müssen Mitarbeiter selbstorganisiert die unbekannte Herausforderung lösen können. Und genau dafür brauchen sie die entsprechende Kompetenz und das gleich auf mehreren Handlungsfeldern. Dazu bedarf es in der Weiterbildung neuer Lernräume sowie neuer Lernkonzepte – und der Einführung eines systematischen Kompetenzmanagements.

Kompetenzen sind keine „Skills“

Aber: Was ist Kompetenzmanagement genau? Aktives und strategisches Kompetenzmanagement ist ein wichtiges Instrument, um Mitarbeiter ihren Qualifikationen entsprechend einzusetzen, in ihrer Laufbahn zu fördern und die Kompetenzanforderungen des Unternehmens zu verfolgen, die es benötigt, um seine selbstgesteckten Ziele auch zu erreichen.

Grundlage für das Kompetenzmanagement ist ein Kompetenzmodell, mit dem vorhandene und erforderliche Kompetenzen aufgeführt bzw. geclustert werden. Ein Kompetenzmodell besteht aus einer Reihe von Schlüsselkompetenzen, die in Übereinstimmung mit den Geschäftszielen eines Unternehmens ausgewählt werden. Dazu zählen etwa:

  • Fachkompetenz: Spezifische Kenntnisse, Fertigkeiten oder Fähigkeiten, die zur Bewältigung von beruflichen Aufgaben notwendig sind.
  • Methodenkompetenz: die Fähigkeit, Aufgaben und Probleme strukturiert und effektiv angehen zu können. Erlernte Arbeitsverfahren oder Lösungsstrategie müssen selbstständig angewendet und weiterentwickelt werden können.
  • Sozialkompetenz: Sie wird in der verteilten Arbeitswelt und selbstorganisierten Arbeit immer wichtiger und umfasst alle Fähigkeiten, die in der Beziehung zu anderen Menschen wirksam werden.
  • Persönlichkeitskompetenz: Sie erlaubt es einer Person selbstorganisiert und reflexiv zu handeln. Dazu bedarf es der Befähigung, sich einzuschätzen, eigene Begabungen zu entfalten und sich kreativ zu entwickeln.
  • Führungskompetenz: Anforderungen an die Organisation zu entwickeln, Veränderungen anzustoßen, Mitarbeiter und Teams anzuleiten und zu befähigen gehören in diesen Bereich. Dazu zählt auch, Leistungen zu überprüfen und konstruktives Feedback zu geben.

Das letzte Beispiel zeigt, dass Kompetenzcluster nicht absolut voneinander getrennt betrachtet werden können. Denn für konstruktives Feedback ist eine Portion Sozialkompetenz notwendig.

Typische Herausforderungen, Hürden oder Fehler bei der Einführung eines Kompetenzmodells sind:

  • Identifikation von zu vielen Kompetenzen ohne Abgleich mit den Unternehmenszielen.
  • Mangelnde oder schwierige Identifikation geschäftskritischer Kompetenzen.
  • Verwechslung von Fachwissen mit Kompetenzen oder einer eindimensionalen Fokussierung auf Fachkompetenzen.
  • Es werden keine Kompetenzen berücksichtigt, die aktuell nicht Teil des Berufsbildes oder der Arbeitsorganisation sind, aber künftig eine wichtige Rolle spielen.
  • Erheben von Kompetenzen ohne die Beteiligung der Mitarbeiter. Dabei sind sie es, die durch das tägliche Tun wissen sollten, welche Kompetenz sie aktuell für ihre Aufgaben benötigen bzw. woran es ihnen fehlt.
  • Keine Einbeziehung der Führungskräfte bei der Erhebung der benötigten Kompetenzen.

Wirksames Kompetenzmanagement: Erfolgsfaktoren

Faktisch bildet das Kompetenzmanagement die Unternehmensstrategie ab. Wesentlich ist deshalb, dass das Unternehmen einen klaren Plan davon hat, welche Business-Ziele es verfolgt, wie es diese Ziele erreichen kann und welche Kompetenzen es dafür benötigt.

Analyse und Definition von Kompetenzbereichen und daraus abgeleitet die Definition der konkreten Ausprägungen für Aufgaben, Tätigkeiten und Jobprofile sind daher unerlässlich. Wichtig ist auch, dass die Kompetenzen der Mitarbeiter unabhängig, vergleichbar und reproduzierbar ermittelt werden. Neben der Entwicklung relevanter Kompetenzprofile kommt es darauf an, eine unabhängige Kompetenzfeststellung und -bewertung der Mitarbeiter zu installieren und den Ergebnissen der Kompetenz-Lückenanalyse mit der Entwicklung von Programmen zu begegnen, die geeignet sind, diese Kompetenzlücken zu schließen. Wer das notwendige Know-how nicht im Hause hat, ist gut damit beraten, sich externe Unterstützung ins Haus zu holen.

Vorteile eines effektiven Kompetenzmanagements

Fazit: Effektives Kompetenzmanagement ermittelt den Ist-Zustand und eine vorausschauendende Bestandsaufnahme der Fähigkeiten aller Mitarbeiter. Durch die Definition von Job-Rollen und der damit verbundenen Kompetenzen können Führungskräfte Stärken und Qualifikationslücken schneller erkennen und damit klar auch aktiv an der Performance-Schraube der Mitarbeiter drehen. Dazu steuert das Unternehmen dem Risiko einer Leistungsminderung und einer verringerten Wertschöpfung aktiv entgegen.

Sinnvoll ist die Einrichtung eines Kompetenzmanagements als strategische Stabsstelle im Unternehmen. Diese kann über zielgerichtete Lernangebote zur Kompetenzentwicklung informieren, mit dem Ziel, die individuelle Leistung und die der Organisation zu verbessern, um so zu besseren Geschäftsergebnissen zu kommen. Schulungen ohne Wertschöpfung fürs Unternehmen gehören der Vergangenheit an, kritische Qualifikationslücken werden schneller erkannt und aktiv geschlossen. Und: Erfahrungsgemäß steigert wirksames Kompetenzmanagement auch die Zufriedenheit unter Mitarbeitern und Führungskräften, was dem Unternehmensklima, der Motivation im Team und damit auch der Produktivität zugutekommt.

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70-20-10 Lernmodell

70-20-10? Was nach 30 Jahren für Personalentwickler noch gilt – und was nicht.

70-20-10: Über drei Jahrzehnte hinweg waren das die Traummaße für Personalentwickler: 70 Prozent lernen wir im Job, 20 Prozent im sozialen Umgang miteinander und 10 Prozent im Rahmen formaler Weiterbildungen. 30 Jahre ist es inzwischen her, dass Michael M. Lombardo und Robert W. Eichinger diese Einsicht erstmals in ihrem Buch „The Career Architect Development Planner“ veröffentlichten und sich dabei auf Studien vom US-amerikanischen Center for Creative Leadership, einem weltweit agierenden Anbieter von Fortbildungen für Führungskräfte, stützten. Das fanden viele so überzeugend, dass das 70-20-10-Modell bis heute in vielen Unternehmen weltweit Anwendung findet.

Doch – wie brauchbar kann ein solches Modell heute noch sein? in der Arbeitswelt hat sich in den letzten drei Jahrzehnten viel verändert, vor allem die Digitalisierung in den Unternehmen schreitet hochdynamisch voran.

Wichtig: Das Modell bezog sich damals vor allem auf die Entwicklung von Führungskräften. Das heißt nicht, dass es für Mitarbeiter aus dem unteren oder mittleren Management komplett irrelevant ist. Heutige Studien allerdings würden die gesamte Unternehmensstruktur und die komplette Mitarbeiterschaft berücksichtigen. Mit dem Stichwort der Digitalisierung im Hinterkopf heißt das: Ein Update von Lernmodellen und Personalentwicklung muss her. Glücklicherweise gibt es das schon.

Das Update

2017 führte die Training Industry Inc., ein Info-Portral der Weiterbildungsbranche in den USA, eine Studie mit rund 960 Arbeitnehmern durch. Die Kollegen wollten ebenfalls wissen, wo die Arbeitnehmer heute am meisten lernen: im Job, im sozialen Bereich oder in berufsbegleitender Weiterbildung? Das Ergebnis: Mit den aktuellen Probanden aus den USA kamen sie auf die 55-25-20-Formel.
Um herauszufinden, ob dieses Ergebnis auch international valide wäre, nahm das Forscherteam in 2018 weitere Professionals aus den USA, UK, Indien, Singapur und Australien hinzu. Hier kamen die Forscher auf einen Durchschnitt von 45-27-28, Werte, die auch von 55-25-20 abweichen, aber eindeutig nicht mehr in Richtung 70-20-10 wiesen. 55-25-20 ist also ein Durchschnittswert.
Ihren Erkenntnissen zufolge gibt es wesentliche Faktoren, die das Ergebnis beeinflussen:

Menschen lernen im Job vor allem dann,

  • wenn das Unternehmen sehr groß ist.
  • die Mitarbeiter einen hohen Altersdurchschnitt haben.
  • die Teambildung sehr gering ist.

Der soziale Umgang sorgt vor allem dann für eine verbesserte Lernerfahrung,

  • wenn die Teambildung sehr gut ist.
  • die Mitarbeiter einen geringen Altersdurchschnitt haben.

Formale Ausbildungen werden vor allem dann angenommen,

  • wenn die Unternehmen kleiner sind.

Was lernen wir daraus? Welche Formel für das eigene Unternehmen die richtige ist, müssen die Personalentwickler selbst herausfinden – oder holen sich externe Unterstützung bei Experten.
Die gute Nachricht: Die ursprüngliche Annahme des Modells 70-20-10 ist immer noch als Grundlage für die neuen Erkenntnisse zu sehen. Was sich verändert hat, ist der Anteil der Lernquellen und wie sie miteinander interagieren. Ein Großteil des Lernens findet am Arbeitsplatz oder durch soziale Interaktion statt. Das ist nicht neu und auch kein Grund, sich ausschließlich auf diese beiden Lernquellen zu konzentrieren, schon gar nicht auf Kosten der formalen Ausbildung. Denn die Studie kommt auch zu dem Schluss: Berufsbegleitende Trainings sind der Schlüssel zur Maximierung der Lernergebnisse aus den anderen beiden Lernquellen – vor allem in Zeiten, in denen sich Wissen schneller vermehrt, aber auch schneller entwertet als je zuvor.
Und: Effektive Weiterbildung für die Arbeitswelt von morgen ist längst mehr als Präsenzlernen. Digitalisierung und der aktuelle Stand der Technik ermöglichen heute viele spannende interaktive Formate, vom eLearning über Blended Learning Web Based Training über Serious Games, Audicast bis hin zur Dialogsimulation. Solche Lösungen fördern das Ausleben von Neugier, denn hier kann der Nutzer ohne Konsequenzen aus Fehlern entspannt lernen. Zugleich erhält er unmittelbares Feedback auf seine Aktionen, zu selbstwirksamen Erfolgen führt – und am Ende dem Feedback, das er in der Interaktion mit Kollegen am Arbeitsplatz erhält, vielleicht gar nicht so unähnlich ist.