Klimaschutz: Unternehmen und Konsumenten müssen an einem Strang ziehen.

Fokusthema Sustainability: Klimaziele 2050 erreichen.

Der Kampf gegen den globalen Klimawandel ist für Gesellschaft und Politik eine der zentralen Herausforderungen der Gegenwart. Erklärtes Ziel ist es, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu beschränken, um dem Risiko von irreversiblen Schäden im Klimasystem entgegen zu wirken. Für einen effektiven Klimaschutz muss deshalb der Ausstoß von Treibhausgasen (THG) drastisch sinken. Um dieses übergeordnete Ziel zu erreichen, muss an einem Strang gezogen werden – und das, nachhaltig.

Im Rahmen des angepassten Klimaschutzgesetzes wurden die Klimaschutzvorgaben noch einmal verschärft. Das Erreichen der nachfolgenden Ziele steht im Fokus und soll kontinuierlich überprüft werden. Dieser herausfordernden Aufgabe stellt sich seit diesem Jahr der Expertenrat für Klimafragen.  In regelmäßigen Abständen sollen die erreichten Etappenziele, unterstützende Maßnahmen und abzuleitende Trends in einem Gutachten zusammengefasst und evaluiert werden.

Das sind Deutschlands Klimaziele:

Für Deutschland hat die Bundesregierung folgende Klimaziele vorgezeichnet:

  • bis 2030 sollen die Treibhausgas-Emissionen um 65 Prozent gegenüber 1990 sinken,
  • bis 2045 soll Deutschland klimaneutral werden,
  • ab 2050 werden negative Emissionen als Ziel festgeschrieben.

Wie hoch sind Deutschlands THG-Emission und wer sind die Haupt-Verursacher?

Ein Blick in aktuelle Statistiken zeigt: Für das Jahr 2020 schlugen rund 739 Millionen Tonnen Treibhausgas-Emissionen in Deutschland zu Buche.

Die Top 5 Treibhausgas-Verursacher sind:

  • Energiewirtschaft (280 Mio. t)
  • Industrie (186 Mio. t)
  • Verkehr (150 Mio. t)
  • Gebäude (118 Mio. t)
  • Landwirtschaft (70 Mio. t)

Private Haushalte verursachten im selben Jahr ca. 91 Millionen THG. Die Top 4 Bedarfsfelder sind:

  • Energieerzeugung und Energieverbrauch
  • Mobilität und Verkehr
  • Wohnen und Heizen
  • Ernährung und Landwirtschaft

Daraus wird deutlich: Sowohl Wirtschaft als auch Konsument:innen müssen im Kampf gegen den Klimawandel zielführende Maßnahmen ergreifen und an einem Strang ziehen.

Was Konsument:innen tun können

Es gibt eine Reihe von Schrauben, an denen private Haushalte drehen können, um ihren Beitrag zum Erreichen der Klimaziele zu leisten. Nehmen wir hierzu die Bereiche in den Fokus, die die größten Auswirkungen auf die CO2-Bilanz haben und an denen somit die größten Hebel angesetzt werden können:

Energieverbrauch und Energiemix

Wir benutzen im Alltag immer mehr technische Geräte und die Tendenz ist steigend. Energiesparende Geräte und Strom aus erneuerbarer Energie wirken sich positiv auf die Höhe der THG-Emissionen aus. Der Umstieg auf Ökostrom kann eine Option sein. Achten Sie beim Anbieter darauf, dass sowohl die Herkunft des Stroms aus erneuerbaren Energien wie auch ein zusätzlicher Förderbeitrag zum Neubau von zusätzlichen Anlagen garantiert wird. Sie leisten damit auch einen Beitrag zum zukunftsfähigen Umbau unserer Energieversorgung.

Mobilität und Verkehr

  • Fahrgemeinschaften bilden: Schon bei einem Arbeitsweg von fünf Kilometern pro Strecke können wir jährlich bis zu 255 kg CO2 vermeiden, wenn wir Kollegen oder Kolleginnen mit zur Arbeit nehmen.
  • Vorausschauend und niedertourig Autofahren: 31 Prozent der CO2-Emissionen, die eine Privatperson verursacht, kommen aus dem Verkehrssektor. Wenn wir häufiges Bremsen und Schalten vermeiden, sparen wir jährlich 370 kg CO2.
  • Mit dem Fahrrad statt mit dem Auto zur Arbeit fahren: Keinen Parkplatz suchen, etwas für die Fitness tun und gleichzeitig das Klima schonen. Bei einem täglichen Arbeitsweg von 5 km vermeiden wir jährlich 425 kg CO2.

Wohnen und Heizen

In den Bereichen Wohnen und Heizen gibt es große Einsparpotenziale, wenn wir z.B.

  • die Raumtemperatur in der Wohnung um ein Grad senken. Das spart sechs Prozent Heizenergie ohne den Komfort merklich einzuschränken.
  • herkömmliche Lampen durch effizientere LED-Leuchten ersetzen. Eine 60-Watt-Glühbirne hat eine Leuchtkraft von ca. 600 Lumen. Eine aktuelle LED-Lampe die 600 Lumen erzeugt, verbraucht dagegen nur 8 W.
  • Fernseh-, DVD- und ähnliche Geräte nicht nur per Fernbedienung, sondern ganz ausschalten. Im Stand-by-Modus verbrauchen sie sonst weiter Strom. Wir schonen damit nicht nur das Klima, wir sparen auch bares Geld. Nach Berechnungen der Deutschen Energie-Agentur kostet allein der Standby-Betrieb sämtlicher Elektrogeräte im Haushalt jährlich 115,00 €.

Ernährung und Landwirtschaft

Mit kleinen Veränderungen in unserem Konsumverhalten können wir schon viel erreichen.

  • Wenn wir einmal in der Woche auf Fleisch verzichten würden, würden wir rund 600.000 Hektar weniger Anbaufläche für Futtermittel benötigen und rund 9 Mio t Treibhausgase einsparen. Dies entspricht einer 3.600 km langen Autofahrt pro Jahr für eine vierköpfige Familie.
  • Freiland statt Treibhaus: Produkte aus dem Gewächshaus schädigen die Umwelt bis zu 30-mal mehr mit schädlichem Kohlendioxid als Freilandgemüse. Aufgrund fehlender Kennzeichnung lässt sich die Anbauart oft nicht erkennen. Nachfragen beim Einkauf auf dem Markt oder beim lokalen Erzeuger direkt vor Ort lohnt sich aber allemal.
  • Regionalem, saisonalem, Obst und Gemüse sollten wir beim Einkauf den Vorrang geben. Um nur ein Beispiel für den CO2-Fußabdruck von Obst zu nennen: 1kg per Flugzeug importierter Ananas erzeugt 15,1 kg CO2-Äquivalente im Vergleich zu 0,3 kg bei saisonalen, regionalen Erdbeeren.

Klimawandel und Klimaziele: Risiken für Unternehmen

Auch Unternehmen stehen aktuell unter großem Handlungsdruck, Emissionen, die im Rahmen ihrer industriellen Prozesse entstehen, zu reduzieren – einerseits, um ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden – andererseits, weil der Klimawandel für Organisationen selbst ein unternehmerisches Risiko darstellt, z.B. durch Versorgungsengpässe, Störungen der Lieferketten oder Schäden an Produktionsstätten aufgrund von Extrem-Wetter.

Darüber hinaus könnten sich im Zuge des Klimawandels neue Geschäftsrisiken ergeben, wenn neue Technologien oder rechtliche Regelungen entstehen, die z.B. Kosten verursachen oder wenn sich Marktveränderungen direkt auf bestehendes Produktportfolio, Services oder Vermögenswerte auswirken. Zudem müssen Unternehmen, die große THG-Mengen emittieren, zunehmend damit rechnen, verklagt und rechtlich für die Auswirkungen des Klimawandels zur Verantwortung gezogen zu werden. Mit steigenden rechtlichen Anforderungen steigen auch die Anforderungen von Stakeholdern wie z.B. Kunden, Investoren oder Interessensverbänden.

Was Unternehmen tun können

Auch Unternehmen können Maßnahmen ergreifen, die das Erreichen der Klimaziele unterstützen. Die Einführung eines wirksamen Klimamanagements bildet die Grundlage für eine kontinuierliche Verbesserung der Klimaperformance und ist ein wichtiger Schritt, um den genannten Herausforderungen zu begegnen. Klimamanagement umfasst die strategische Auseinandersetzung mit den zu verantwortenden Emissionen (direkt oder indirekt) und den Auswirkungen des Klimawandels auf das Unternehmen. Ziel ist es, Emissionsquellen zu identifizieren, zu erfassen und zu mindern oder besser noch, zu vermeiden.

Klimaziele erreichen – Schritte auf dem Weg zur Klimaneutralität

Der Projektplan zur Einführung eines Klimamanagements im Unternehmen könnte z.B. die folgenden Prozessschritte umfassen.

  • Vorbereitungen treffen: Die Implementierung eines Klimamanagements erfordert eine strukturierte Herangehensweise. Neben Überlegungen zu den übergeordneten Zielen – Transparenz, gesetzliche Anforderungen. gesellschaftliche Erwartungen – stehen in der Vorbereitungsphase die Organisationsstruktur, die Zusammensetzung des Projektteams und die Verfügbarkeit von Daten im Fokus. Auch Entscheidungen zu personellen und finanziellen Mittel stehen in dieser Phase an.
  • Wesentlichkeitsanalyse durchführen: Um Ihre Zieldefinition zu schärfen analysieren Sie, wie weit Ihre Organisation durch die Auswirkungen von physischen Risiken (Auswirkungen des Klimawandels auf die Geschäftstätigkeit und Lieferketten) und Übergangsrisiken (Effekte, die sich auf die Fähigkeit auswirken, in einer dekarbonisierten Wirtschaft wettbewerbsfähig zu sein) betroffen ist.
  • Treibhausgas-Bilanz erstellen: Nutzen Sie die ISO 14064-1 oder das Greenhouse Gas Protocol, um eine organisationsweite THG-Bilanz zu erstellen und Emission-Hotspots zu identifizieren. Eine ideale Voraussetzung für die erstmalige Erhebung der Daten für eine THG-Bilanz ist ein etabliertes Energiemanagementsystem (EnMS). Die darin erfassten Daten sind aufgrund ihrer Qualität in der Regel sehr nützlich bei der Erstellung der Treibhausgas-Bilanz. Die im Rahmen des EnMS entstandenen Strukturen und Prozesse sollten auch für das Klimamanagement genutzt werden.
  • Daten- und Prozessmanagement erstellen: Sammeln Sie sämtliche Aktivitätsdaten und Berechnungsergebnisse an zentraler Stelle, um die resultierenden Treibhausgas-Emissionen auswerten zu können. Die Integration der Daten in bestehende Systeme bietet die Vorteile, dass Mehrfacheingaben von Daten vermieden werden. Erstellen Sie einen Ablaufplan für einen reibungslosen Datenmanagementprozess und definieren Sie darin alle Beteiligten, Verantwortlichkeiten, Prozessschritte und Fristen.
  • Klimastrategie entwickeln: Erarbeiten Sie auf Basis der Auswertung der THG-Bilanz eine konkrete Klimastrategie, um die gesteckten Klimaziele zu erreichen. Diese sollte die folgenden Punkte umfassen:
  1. Anerkennung der Herausforderungen
  2. Darstellung des Bezugs zum Unternehmen
  3. Ambitionslevel für den Umgang mit dem Klimawandel
  4. Zieldefinition und -setzung
  5. Transparente Darstellung, wie die Ziele erreicht werden sollen

Im besten Fall orientieren sich Ihre Ziele an den Zielvorgaben des Paris Agreements.

Entwickeln Sie Maßnahmen nach der Hierarchie „Vermeidung – Reduktion – Substitution”. Fangen Sie bei sich vor Ort an und arbeiten Sie sich dann weiter vor. Je weiter Sie vom Standort weggehen, desto weniger Einfluss haben Sie auf die Emission. Zusammenarbeit und Kommunikation mit Mitarbeitenden und Lieferanten sind hier essenziell.

  • Mit Key Performance Indikatoren steuern: Key Performance Indikatoren (KPI) dienen zu Messung und Steuerung der Zielerreichung. Es handelt sich um aggregierte oder einzelne Kennzahlen, mit denen Erfolg oder Optimierungspotenzial eruiert werden können. Bei der Definition der KPI sollten Aussagekraft, Möglichkeit zur Aggregation, Vergleichbarkeit und Steuerungswirkung berücksichtigt werden.
  • Kommunizieren: Durch interne Kommunikation gewinnen Sie Mitarbeitende und Führungskräfte als Multiplikatoren. Dem Top-Management liefern Sie mit Ihrem Reporting wichtige Entscheidungsgrundlagen zur weiteren Strategieentwicklung. Mit regelmäßiger, zielgerichteter, externer Kommunikation informieren Sie externe Stakeholder über die Fortschritte im Klimamanagement. Das trägt zur positiven Außenwahrnehmung und zum Imagegewinn für Ihr Unternehmen bei.
  • Treibhausgas-Emission kompensieren (Offsetting): Carbon Offsetting – also das Kompensieren von CO2-Emissionen – wird kontrovers diskutiert. Während es für viele Unternehmen ein hilfreiches Tool zum Erreichen der eigenen Klimaziele ist, sehen andere darin Greenwashing.

Als letzte Option zur Reduktion der THG-Emission kann Klimakompensation – als Ergänzung zu einem ganzheitlichen Klimamanagement – ein sinnvolles Mittel im Rahmen der unternehmerischen Klimabilanz sein. Vorausgesetzt, dass Prozesse zur Vermeidung und Reduzierung von Emissionen dem vorausgegangen sind. Analysieren Sie in jedem Fall die Projekte, von denen Sie CO2-Credits kaufen, bis ins letzte Detail. Die Kompensation ist insbesondere bei der Außenwirkung ein großer Streitpunkt. Vermeiden Sie dies, indem Sie z.B. werthaltige, durch Gütesiegel abgesicherte CO2-Credits kaufen, die etwas teurer sind, aber auch glaubwürdiger. Orientieren Sie sich bei der Definition der Klimaneutralität an wissenschaftlichen Grundlagen.

Fazit

Um potenziell schwerwiegende Auswirken des Klimawandels zu vermeiden, müssen die THG-Emissionen bis spätestens 2050 auf Null reduziert werden. Jede:r einzelne muss dazu sein eigenes Verhalten hinterfragen und klimafreundlichem Handeln oberste Priorität geben – besonders in den Bereichen: Energieverbrauch, Mobilität, Wohnen und Ernährung.

Unternehmen müssen sich jetzt entsprechend positionieren und proaktiv Klimaschutzstrategien und -maßnahmen entwickeln – nicht zuletzt, um auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben. Mit der Implementierung oder Integration eines Energie- oder Umweltmanagementsystems können Sie einen wirksamen Grundstein legen und Erreichung der Klimaziele beitragen.

Weiterbildungen von TÜV-Rheinland z.B. zum Energiemanager (TÜV) oder Umweltmanager (TÜV) unterstützen Sie dabei maßgeblich.

Weitere Informationen und Weiterbildungsangebote zum Fokusthema finden Sie hier:

Im Fokus: Nachhaltigkeit.

Melanie Balzer
Melanie Balzer